DIE GESCHICHTE DES HEIDUCKENBEZIRKS

Die Heiduckenstädte mit hauptsächlich protestanter Religion hatten eigenartige Privilegien im 18. und 19. Jahrhundert. Der Heiduckenbezirk war eine mittlere Verwaltungseinheit, aber man konnte den Oberbezirkshauptmann und das Offizierkorps der einezelnen Städte selbst wählen. Aus den Privilegien ergab sich, dass die Heiduckenstädte über selbsständige Verwaltung, Steuerverwaltung und Strafrecht verfügten. Ihr übergeordnetes Organ war die Kammer (bis 1790) und später der Statthalterrat. Diese Privilegien unterschieden die Heiduckenstädte von den umliegenden Siedlungen, Marktflecken. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Einzugswelle in die Heiduckenstädte schneller, in diesen Städten wandelte sich die Struktur der Gesellschaftsschichten um, die Gegensätze zwischen den Heiducken-Grundbesitzern und den Einziehern wurden immer schärfer. In der ersten Vitrine des Saals sind das Andenkenmaterial dieser Zeiten und Verhältnissen zu sehen. Einer der interessantesten Gegenstände ist das Richtschwert, das ius gladium (Todesurteilrecht) bedeutete nach der feudalen Rechtspraxis die höchste Stufe der selbstständigen Gerichtsbarkeit. Sehr beachtenswert ist sind die Kanzelverzierung aus der reformierten Kirche von Hajdúböszörmény, und die Turmflagge (aus 1793), die das reformierte Glauben der Heiduckenstädte beweist.

Einer der bedeutendsten Politiker seiner Zeit in den Heiduckenstädten war Mihály Nánási Oláh (1760-1838), Oberbezirkshauptmann des Heiduckenbezirks. Er hatte protestantische Bildung, Bewandertheit in Orts und Weltpolitik, so konnten durch ihn die Gesellschaften der Heiduckenstädte mit den Hauptströmungen seiner Zeit gebunden werden. Alldies zeigt in der Ausstellung seine Salongarnitur im Empirestil. Der nächste Oberbezirkshauptmann war Gábor Péli Nagy. Die schwerste Amtsaufgabe beider Hauptmänner war, die inneren gesellschaftlichen Konflikte zu behandeln.

Die Schulen der Heiduckenstädte waren Zweiganstalte des Reformierten Kollegiums von Debrecen, sie bekamen die geistliche Anleitung, ihre Lehrkraft, ihre Bücher und Lehrpläne von dort. Darauf weisen die ausgestellten Gegenstände hin.

Durch die bürgerlichen Umgestaltungen wurden die Privilegien der Heiduckenstädte aufgehoben, was unter den Bewohnern dieser Städte Verlegenheit und Ratlosigkeit auslöste, aber im Freiheitskrieg von 1848-49 schlossen sich die Heiducken mit Herz und Seele an den Selbstverteidigungskampf der ungarischen Nation. Der durch den Heiduckenbezirk gestellte, bedeutendste Militärverband war das 17. Bocskai-Husarenregiment, in dessen Stellung Gábor Sillye, der Parlamentsabgeordnete, der spätere Regierungskommissar eine bedeutende Rolle spielte. Die Uniform des Bocskai-Husaren in der Ausstellung ist eine authentische Rekonstruktion. In der Herausbildung des militärischen Kerns des Husarenregiments spielten die Württemberg-Husaren eine große Rolle, die unter der Führung des Hauptmanns Lenkey aus Gallizien heimflohen. Das Siegel des einen Schwadrons des Württemberg-Husarenregiments, das in der Ausstellung zu sehen ist, kam in Hajdúböszörmény vor, und es ist kein Zufall. In Hajdúböszörmény wurden auch noch die 52. und 53. Infanteriebataillonen gestellt. In dem Selbstverteidigungskampf spielten auch die Nationalgardisten eine bedeutende Rolle. Einer der schönsten und tief ergreifendsten Gegenstände ist die Rekrutierungsfahne, die in 1849 angefertigt wurde.

Nach der Niederschlagung des Freiheitskriegs von 1848-49 wurde die Selbsständigkeit des Heiduckenbezirks abgeschafft, nach dem Untergang der Bach-Ära wurde die Selbstständigkeit des Bezirks zurückgestellt. Der Oberhauptmann wurde Gábor Sillye, der in 1848-49 der Regierungskommissar des Freiheitskriegs war. Die bürgerliche Entwicklung nach dem Ausgleich von 1867 setzte ein Fragezeichen, ob die Verwaltung feudaler Ursprung ein Existenzrecht hat. Nach langen und schweren Kämpfen wurde der Heiduckenbezirk im Rahmen der landesmäßigen Verwaltungsregelung zu Komitat Hajdú organisiert, die Komitatshauptstadt wurde aber nicht Hajdúböszörmény, sondern Debrecen (aus dem Komitat Bihar).